Partner Hund
Mantrailing
Barija, meine Eurasier-Hündin und ich hatten uns zu einem Basiskurs in Mantrailing angemeldet. An einem heißen Sonntag im Juni trafen sich fünf Vierbeiner und zehn Zweibeiner im Norden von Ulm. Einige der Menschen hatten mehr Schwierigkeiten, die beigefügte Google Maps zu lesen, als die Hunde später mit dem Aufspüren der Spuren.
Vorab schickte uns die Hundetrainerin eine Liste mit den benötigten Gegenständen und die Anweisungen für den Ablauf:
Jede Person die am Workshop dabei ist, bringt bitte drei Geruchsträger mit. Jeden einzeln in einem ZIPP-Beutel verpackt. Bitte keine anderen Behältnisse nehmen!
Geruchsträger können sein:
Handschuh, Schal, Shirt, eigentlich alles was am Körper getragen werden kann. Einmal in den Beutel gegeben und verschlossen, sollte Niemand mehr den Beutel öffnen und den Geruchsträger berühren!!
Lange Leine, Minimum 5m Nicht zwingend nötig, aber wer hat, sollte seinem Hund zum Trailen ein Geschirr anlegen.
Wasser für den Hund
Viele und vor allem sehr gute Leckerlis. Hund sollte nicht vollgefressen sein, aber auch nicht nüchtern!
Vor Beginn des Workshops findet keinerlei Kontakt unter den Hunden statt. Während ein Hund trailt, müssen die anderen Hunde zwangsläufig im Auto warten, weil die Hundeführer im Wechsel die Opfer sind und die Hunde im Auto am ehesten zwischen den Suchen zur Ruhe kommen. Zudem lässt sich das Trailen des Anderen besser ohne Hund beobachten.
Das klappte prima. Alle Hunde waren mit Geschirr und einer langen Leine ausgestattet. Ein Teilnehmer packte kurzerhand seine Socken in einen Zip-Beutel, und wir Zweibeiner erhielten eine Einführung in die faszinierende Welt der Hundenasen. Hunde besitzen je nach Größe und Rasse bis zu 250 Millionen Riechzellen, während Menschen lediglich etwa 5 Millionen haben. Geruchsmoleküle, die wir ständig verlieren – nicht nur durch Schuppen oder Haare, die ausfallen, sondern auch durch den individuellen Geruch eines Menschen, der unter anderem von Ernährung, Gesundheit, Hormonen und Schweiß abhängt – umgeben uns wie eine Wolke.
Beim Mantrailing verfolgt der Hund diese Geruchswolke, die aus den Geruchspartikeln besteht. Im Gegensatz zur Fährtensuche, bei der nach Bodenverwundungen durch Fußabdrücke gesucht wird, handelt es sich beim Mantrailing um das Aufspüren einer Person anhand ihrer Geruchsspur.
Die Geruchspartikel sind mikroskopisch klein und ihre Bewegung wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, wie beispielsweise Wind, Temperatur, Feuchtigkeit, Art des Untergrunds und Umgebungsströmungen. Sie erhalten zunächst eine Art Auftrieb, bevor sie langsam zu Boden segeln. Währenddessen können sie an verschiedenen Hindernissen hängen bleiben. Zudem können die Geruchsmoleküle durch Turbulenzen verwirbelt werden, wodurch sie an Büschen, Hauswänden oder Bordsteinkanten geweht werden können. Dadurch kann die Spur durchaus mehrere Meter vom ursprünglichen Weg der Person entfernt sein. Sowohl warme Sommertage als auch Regenwetter können ebenfalls Einfluss auf die Ausbreitung der Geruchspartikel nehmen.
Kurzzeitig tauchte die Frage auf, ob wir uns mit Sonnencreme eincremen durften und ob dies möglicherweise die empfindlichen Hundenasen beeinträchtigen würde. Doch die Hundetrainerin beruhigte uns sofort – kein Grund zur Sorge, die Hundenasen schaffen das trotzdem, wir dürfen uns eincremen.
Und los ging es mit der ersten Runde. Ein "Opfer" wurde ausgewählt, es nahm seine drei Beutel, wedelte damit kurz vor der Hundenase und lief, die Beutel nacheinander fallen lassend, ein Stück weit weg, beim ersten Mal noch sichtbar für uns und den Hund. Die Aufgabe des Hundeführers war den Hund nacheinander an die Beutel hin zu führen, den Beutel für den Hund öffnen damit er das Geruchsmuster aufnehmen kann. Schließlich führte der Weg zum Opfer, und dann war es Zeit für Bestätigung, Leckerlis und viel Lob! Bei jeder weiteren Runde wurden die Abstände vergrößert und die zu suchende Person lief die Strecke und versteckte sich, ohne dass es der Hund sehen konnte.
Meine Barija zeigte eine großartige Leistung, und für mich bestand die größte Herausforderung darin, sie nicht zu beeinflussen oder versehentlich falsche Signale zu geben. Sie sollte an der Schleppleine frei laufen und selbstständig die Richtung bestimmen. Nachdem Barija an den ersten Beuteln geschnuppert hatte wusste sie ganz instinktiv, was zu tun war. Einmal lief sie den Weg in Zickzack-Form ab, obwohl ich gesehen hatte, dass das Opfer geradeaus gegangen war. Es war durchaus möglich, dass dies korrekt war, da die Geruchspartikel durch Wind verweht worden sein konnten. Es beeindruckte mich, wie Barija ihre Nase einsetzte, um die Spur aufzuspüren, auch wenn sie von meinem Blickwinkel abwich. Sie wusste, dass ihre Nase ihr den richtigen Weg weisen würde.
Bei der letzten Runde begann Barija plötzlich sich im Kreis zu drehen, offensichtlich auf der Suche nach der besten Stelle. Ich dachte nur: Bitte nicht jetzt, mitten drin!" Aber was sein muss, muss halt sein. Ich sammelte ihr Häufchen auf und dann ging es weiter. Barija nahm ihre Aufgabe sehr ernst und kurz darauf fand sie das Opfer.
Es war auch faszinierend zu beobachten, wie unterschiedlich die Hunde sich verhielten, wenn sie das Opfer entdeckten. Ein Rüde konnte vor stolzer Freude nicht widerstehen und markierte das Gebüsch, hinter dem die gesuchte Person sich versteckt hielt. Es war offensichtlich, dass er seine Aufgabe mit großem Erfolg erfüllt hatte und voller Stolz seine "Duftmarke" hinterließ. Die Collie-Hündin, die mich suchte, war, als sie mich sah, so vor Freude überwältigt, dass sie mir ein dickes, feuchtes Bussi gab. Barija hingegen beschnupperte ihre Opfer nur kurz und hielt dann, typisch für Eurasier, etwas Abstand.
Abschließend kann ich sagen, dass es für mich sehr schön war auf die Körpersprache meiner Hündin zu achten und vor allem meiner Hündin das Vertrauen zu schenken, dass sie mehr riechen kann als ich sehen konnte.
Bettina Addamo
mit Barija vom Urstromtal
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